Urvertrauen

Ich hatte vor genau einer Woche einen wirklich heftigen Abend, genau drei Tage nach der Trennung von meinem Freund. Ich schaute Abends einen Film über eine Eiskunstläuferin und wie sie am Ende natürlich mit dem zusammen kam, bei dem ich erst dachte: Das ist bestimmt nur der treudoofe Kumpel, der am Ende eine ganz Andere findet.

Als der Film zu Ende war kam dieses eine, gewisse Gefühl in mir hoch. Dieses Gefühl, als würde alles in meiner inneren Mitte durchsichtig werden. Als würde dort, wo zuvor das Herz und die Lunge saßen, ein Unterdruck entstehen- das Atmen tat richtig weh.
Ich erkläre mir das so, dass ich einen tiefen emotionalen Schmerz in mir hatte, der jetzt einfach raus wollte. Prompt liefen mir ungebremst die Tränen über meine Wangen und mein Herz pochte wie wild. Nach ein paar Minuten musste ich mich zwingen mein Schluchzten etwas zu bremsen. Ich weinte so sehr, dass ich nicht mehr atmen konnte und es stieg langsam Panik in mir auf. Der Versuch ruhiger zu atmen, aber den Fluss der Reinigung nicht zu unterbrechen klappte ganz gut.

Muss ich weinen, also so richtig, dann setze ich mich automatisch auf den Boden. Ich glaube das ist so in mir veranlagt, da ich die Erde dann direkt unter mir spüre und mir nicht so hilflos vorkomme. Wie kleine Kinder quasi, die sich, wenn sie Angst haben einfach unter dem Tisch, oder hinter dem Sofa, aber auf dem Boden verkriechen.

Das ist sogar vielleicht evolutionsbiologisch erklärbar, da Höhlenmenschen sich vor drohender Gefahr, also wenn sie Angst hatten, sicherlich auch in ihren Höhlen versteckt haben.

Ich setzte mich also meistens wirklich im Bad an die Heizung, weil mich da am unwahrscheinlichsten jemand hören könnte, ziehe die Beine an, spüre die Wärme der Heizung am Rücken und weine.

Nachdem mir an dem Abend keine Tränen mehr aus den Augen liefen, fühlte ich mich nicht gut. Ich war kaputt und das Gefühl der Ungeschütztheit war da. Ich hatte irgendwie kein Vertrauen in mich oder die Welt. Es war, als sei ich traumarisiert von dem, was da gerade an Schmerz in mir hoch kam und mein Innerstes müsste sich erstmal wieder neu sortieren und festigen. Langsam hievte ich mich auf mein Sofa und lang eng an Kissen und meine Decke gedrückt. Das gab mir etwas Geborgenheit, sodass ich das Blut, das immer noch viel zu doll und zu häufig durch meine Adern gepumpt wurde, besser aushalten konnte.

Ich hatte im Kopf, das ich mir jetzt selber da raus helfen muss. Ich muss mir selber Vertrauen geben und für mich da sein. Aber wie?

Da fielen mir Veit Lindau und sein Podcast ein. Nachmittags noch hatte ich ihn mir bei einer bekannten Musik-App auf die Favoriten-Liste gesetzt und jetzt erschien mir die Gute-Nacht-Mediation als genau richtig, da es mittlerweile spät geworden und ich kaputt war. Augen zu und ein bisschen äußerer Einfluss, der meine Gedankengänge nicht aufhält, aber eine Verselbstständigung zu verhindern vermag.

Auf meine Intuition ist einfach immer Verlass. Es ist eine Schande, dass ich ihr so oft misstraue.

Immer noch auf meinem Sofa, eng an die Kissen und Decke geschmiegt lauschte ich Veit Lindau, der über das Urvertrauen und das Vertrauen, das einem nur eine Mutter geben kann sprach. Diese unendliche Liebe die herrscht, wenn Mutter und Kind zusammen sind. Ich glaube dieses Vertrauen entsteht, weil die Mutter auf ihre Fähigkeiten als Frau/Mutter vertraut und auch auf die Fähigkeit, die Signale, Wünsche und Bitten des Kindes lesen und verstehen zu können. Das Kinder wiederum vertraut darauf, dass die Mutter da ist und Liebe gibt, während das Kind mit dem Leben beschäftigt ist.

Mutter und Kind tragen sich quasi gegenseitig auf ihrem Vertrauen durch die Zeit.

Für das Kind ist alles neu; Gefühle, Gedanken, körperliche Symptome wie Hunger, Durst, Bauchweh und das Kind vertraut, Gott gegeben quasi, dass die Mutter ihm hilft die Erfahrung des Lebens verarbeiten zu können und dabei jemanden an seiner Seite zu haben.

In der Beziehung zur Mutter lernen wir im Grunde das essentiellste unseres gesamten Lebens auf der Erde: Vertrauen.

Viel zu oft wird das Vertrauen durch unterschiedliche Dinge gedeckelt und darf sich nicht mehr ausdrücken. Das kann so weit gehen, das wir das Vertrauen komplett vergessen. Wir hinterfragen dieses Vertrauen dann immer wieder und bekommen Angst, dass wir gar nicht so sicher und geborgen sind, wie wir dachten. Wir gehen dabei mit unserer Energie vom Herz in den Kopf und wundern uns, warum wir immer ängstlicher und misstrauischer anderen Personen, der Welt und am meisten uns selbst, also unserem Gefühl gegenüber werden.

Seit dem mir das klar geworden ist, verläuft mein Leben irgendwie leichter und schwieriger zugleich. Zum einen weiß ich jetzt zwar, das egal wie viel Schmerz und wie viele Emotionen gerade in mir sind und raus wollen- ich habe eine Intuition, die mich durch diese Situationen führt. Ich bin nie alleine und mir kann nichts passieren. Und zum anderen ist es eine wirkliche Wohltat wieder vom Kopf ins Herz zu gehen und sich von allem, auch von sich selbst, wieder vollkommen richtig, angenommen und aufgehoben zu fühlen.

Ich schaffe es absolut nicht immer so ins Vertraue zu gehen, das ist wohl eine Lebensaufgabe. Aber es ist mir bewusst geworden und es hilft mir meinen Stress zu minimieren, den ich mir vor so vielen Situationen im Leben meist selber mache. Ich schaffe es, in dem ich das Gefühl des Urvertrauens in mir hervorrufe, immer öfter von der Angst, also dem Mangel in das Vertrauen, die Fülle zu gehen. Jeden Tag ein Stücken mehr und manchmal dann wieder gar nicht. Aber das ist okay. Ich bin okay. Wir alle sind okay.

Danke liebe Mutter Erde.
Danke liebes Universum.
Danke an alle Mütter und Kinder.

Ich widme diesen Artikel meiner Mama. Durch sie weiß ich tief im Inneren, was es heißt zu vertrauen. Das ist unbezahlbar und nur du konntest mir dieses einzigartige Geschenk machen.
Danke Mami, du bist die Beste ❤️

10. März 2020