Selbst-Vertrauen

Muskelaufbau. Meine Muskeln aufzubauen funktioniert so: Trainiere ich sie, werden sie immer größer und ist eine gute Größe erreicht, dann versuche ich sie durch regelmäßiges Training in ungefähr der für mich guten Größe zu halten.

Genau so ist es bei mir mit dem Selbstvertrauen:

Durch Training, also Selbstfürsorge, mich selber als wichtig anzuerkennen, das Befriedigen meiner Bedürfnisse und dem Leben/Handeln nach meinen Werten, baue ich Selbstvertrauen auf. Und nur, wenn ich am Ball bleibe, dann schrumpft dieses antrainierte Selbstvertrauen nicht wieder auf die Ursprungsgröße zurück.

Das ist in der Unachtsamkeit des Alltages gar nicht so leicht. So schnell mache ich mir Stress und denke, ich hätte keine Zeit für mich und Achtsamkeit. Alles Andere bzw. in meinem Fall eher jeder Andere ist wichtiger als ich, kein Durchatmen, kein Innehalten, kein Lächeln, kein… Stopp. Denn schon gehts mir nicht mehr gut. Die Unachtsamkeit öffnet eine Tür für längst rausgeschmissene Glaubenssätze, wie „Bist du zu anstrengend, zu ausserhalb der Norm, so wirst du ganz alleine sein, oder einen seeehr harten Weg vor dir haben.“

Um nicht jedes Mal wieder als Rausschmeißer mit den ungebetenen Gästen diskutieren zu müssen, baue ich mir, ich nenne sie einfach mal Achtsamkeitsstationen in meinen Alltag ein.
Meist kann ich mich gut auf meine Dankbarkeit…

Ich liege jeden Abend im Bett und schlafe mit dem wohligen Gefühl ein, wie ich alles durchgehe, wofür ich dankbar bin.
Fällt mir das schwer und ich muss akribisch nach Dingen suchen, oder schweifen meine Gedanken immer wieder zu negativen Dingen ab, so weiß ich, dass ich nicht achtsam genug war und irgendwo nicht im Einklang mit mir bin.

… oder meinen Antrieb verlassen; wenn ich gar nichts tun will, sogar Fernsehen zu „anstrengend“ ist, oder mich alles, was ich sonst mag stresst, dass weiß ich, ich sollte mir Zeit nehmen und schauen, wo ich nicht achtsam bin; Habe ich aus Verpflichtungsgefühlen etwas zugesagt, das ich eigentlich nicht machen möchte? Habe ich eine spontane Verabredung meiner geplanten, noch bevorstehenden Selbstfürsorge (Sport, lesen, für mich kochen, mich einfach mit mir beschäftigen) vorgezogen? Die Beispiele sind endlos…

Deshalb habe ich schon länger nach einem so genannten reminder gesucht. Also etwas, das mich erinnert achtsam zu sein. Ich habe über Postkarten, kleine Zettel an der Wand, oder sogar über ein Tattoo nachgedacht. Bloß bin ich ein Mensch. Und ein Mensch ist ein Gewohnheitstier und habe ich mich erstmal an etwas gewöhnt, dann fällt es mir im Alltag meist nicht mehr auf und funktioniert somit nichts als reminder.

Jetzt kommt das Gesetz der Anziehung: ich habe mir Sätze aufgeschrieben, die mich in meine Achtsamkeit bringen sollen und wollte diese dann in eine schöne Schale, oder Dose stecken und nach Gefühl, oder alle zwei Tage einen ziehen. Dadurch, dass ich nie weiß, welcher Zettel kommt, wird es quasi keine Sache, an die ich mich gewöhnen kann und wo dann der gewünschte Effekt ausbleibt. Ich habe mich mit den Sätzen nicht schwer getan, aber mit der Art, wie diese nun in meiner Wohnung sein sollten (handgeschrieben, oder ausgedruckt, Dose oder Schüssel).
Zwei oder drei Wochen nach meinem Geburtstag dann, haben mir meine Hamburger Eltern nachträglich ein Dose mit Affirmationen, Motivationen, einfach liebevollen Zetteln geschenkt. Wahnsinn, oder?

Ich denke wochenlang über etwas nach und kann mich zu keiner Entscheidung so richtig durchringen und zack, bekomme ich einfach genau das, was ich brauche geschenkt.

Ich glaube ja, dass das, was wirklich in mein Leben treten soll, das wird es auch tun- egal, auf welchem Weg.
Machmal bin ich nicht einverstanden und will das nicht, dann habe ich eine Chance mich in Akzeptanz zu üben und machmal, da grinse ich und bedanke mich einfach.

Mein Selbstvertrauen wächst gefühlt täglich und es fühlt sich so gut an, nach meinen Vorstellungen und Werten zu leben. Zu wissen, dass ich mir gerade eine Konstante in meinem Leben schaffe, aus der ich immer schöpfen kann und die mir immer Halt gibt ist ein wahnsinniges Freiheitsgefühl und ein Gefühl, das mir Sicherheit gibt. Sicherheit, die ich lange bei anderen Menschen gesucht haben und – oh Wunder- nie gefunden/bekommen habe.
Ich habe die Freiheit, das nicht alles in meinem Leben gut laufen muss, damit es mir gut geht.
Die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen und nicht täglich einen innen Kampf zwischen meinen Bedürfnissen und meiner Vorstellung, was wohl andere davon halten auszutragen.
Die Freiheit, mich auf meinen eigenen Lebensweg zu machen.
Ich vertraue auf mich selbst.
Ich habe Selbstvertrauen.
❤️

Ich danke ganz doll meiner Therapeutin, ohne die ich das hier wohl so nicht für mich erkannt hätte.
Danke, dass Sie wirklich mich sehen, meine Ziele anerkennen und mit mir verfolgen.

29. Mai 2020