Nahrung

Ich bin vor Jahren schon auf der Suche nach verschiedenen Ernährungs- und/oder Diätformen auf das intuitive Essen gestoßen. In dem Artikel (ich weiß leider nicht mehr von wem) ging es dadrum in den Supermarkt zu gehen und an (hauptsächlichen frischen) Lebensmitteln zu riechen und sich ganz bewusst selber die Frage zu stellen: Will ich das, oder denke ich nur das zu brauchen?

Ich fand das ehrlich gesagt etwas crazy, weil niemand wohl gerne Obst und Gemüse kauft, wo jemand schon ausgiebig seine Fingerabdrücke und den Atmen drauf verteilt hat.

Dennoch hat mich die Idee nicht in Ruhe gelassen, weil das im Grunde die ursprünglichste Form der Ernährung ist und Kinder, sofern man sie denn lässt, sich genau so ernähren. Sie schauen, was auf dem Tisch steht, suchen sich aus, was sie brauchen und essen auch nur solange, bis sie satt sind. Dinge wie Iss auf, damit morgen die Sonne scheint!, Ein Löffel für Mama, einen für Papa etc. oder Wenn du jetzt nicht isst, dann gibt es nachher nichts mehr oder ganz besonders auch Nun iss doch mal schneller, wir müssen los! die versauen die Intuition. Damit meinen ich nicht, das ich für mein Kind immer einen Rucksack mit sämtlichen Lebensmittel dabei haben werde und alles stehen und liegen lasse, sofern sich Hunger äußert… Aber… Ach, ich glaube das, was ich zum Ausdruck bringen wollte ist rübergekommen.

Ich selber habe in meiner Schulzeit extrem viel gegessen. Damit meine ich die Zeit, in der ich in der Schule saß. Nach jeder Unterrichtseinheit von 1 1/2 Stunden gab es ein ganzes Brötchen, oder eine Klappstulle mit was Leckerem drauf. In meinem Rücksack waren mehr Brotdosen als Schulutensilien vertreten. Hatte ich mal mein Brot vergessen und war auch kein Bäcker in der Nähe, war das für mich ein Grund zur nächsten Stunde, oder gar nicht in die Schule zu kommen. Denn ich wusste; mir wird da die komplette Unterrichtszeit der Magen knurren- und zwar nicht leise. Das wiederum würde extremen Scharm und Unwohlsein auslösen.

Zuhause dann aß ich meist kaum noch was. Am Wochenende bis zum Mittag auch nichts und wenn dann eher viele kleine Portionen, als eine Große, aber vor allem Gesund.
Zum Einen hatte ich von Mo-Fr Vormittag wohl genug gegessen und zum Anderen war das meine Zeit, ich konnte machen, was ich wollte. Klar hatte ich ein Defizit an Nährstoffen, weil trockene Brötchen nicht gerade alles enthalten, was der Körper so braucht, aber deshalb wohl auch meine Neigung zum gesunden Essen und nicht zum Fastfood, oder Süßigkeiten- meistens.

Lasse ich mein früheres Essverhalten mit meinem jetzigen Wissen Revue passieren, so stelle ich fest, dass ich hauptsächlich nach dem Glaubenssatz „Essen liefert dir Energie“ gelebt habe.

In der Klasse sitzen, lernen und teilhaben müssen, alleine schon mit mindestens 20 anderen Menschen in einem Raum zu sitzen und auch noch „funktionieren“ zu sollen hat meinen Energiefluss so dermaßen unterbrochen, dass ich quasi am verhungern war. Ich habe meine ganze Energie ins Aushalten der Schulstunden investiert und meinen Draht zum Chi, Prana der Lebensenergie, wie auch immer ich es nennen möchte komplett verloren. Im Grunde habe ich sogar die Verbindung zu mir verloren. Ich stand nicht für mich ein. Habe mich zu etwas gezwungen, das ich nicht machen wollte, aber dachte zu müssen.

Ich hungere nach mir. Nach der Verbindung und Liebe zu mir selbst. Nach dem Vertrauen auf mich zu hören und für mich einzustehen. Losgelöst von äußerer Konditionierung und Einflüssen.

Gerade im Moment ist es wieder klar erkennbar. Ich bin derzeit wegen meiner Depression und anderen Dingen noch AU geschrieben und habe an vielen Tagen nichts vor. Ich kann einen ganzen Tag frei gestalten, und anstatt das zu tun und mich mit mir zu verbinden, essen ich. Ich steh in der Küche, habe die Wahl zwischen Rausgehen und leben, oder mich vor den Fernseher setzten und essen. Zu 80% wähle ich die zweite Möglichkeit. Essen nimmt meinem Körper seine Energie, die ich nicht ausleben möchte und verschleiert meinen Blick ins Innere zu meiner Wahrheit. Ähnlich verhält es sich mit dem Fernsehen.

Ich bin nicht übergewichtig, aber ich bin auch nicht sehr dünn. Alles, was man so sieht ist Fett und keine Muskelmasse. Im Moment bekomme ich meinen Po überhaupt nicht hoch, um mich mal zu bewegen, oder gar Sport zu treiben. Das höchste der Gefühle ist Spazieren und ab und zu Radfahren. Aber das ist okay.

Ich habe herausgefunden, das je weniger Pläne und Verpflichtungen ich mir selber auferlege, desto mehr kommt meine innere Stimme wieder zum Vorschein und ich muss mich nicht zu Dingen zwingen, sonder ich kann Spass dran haben und sie aus vollem Herzen tun.

Ich möchte diesen Artikel meiner Stiefmama widmen.
Ich habe gestern lange mit ihr telefoniert und sie hat mir den Anstoß zu diesem Artikel geliefert.
Danke Stiefmama, du bist die Beste ❤️

02. März 2020