Einsam?

Ha.

Ähm…. Okay! Ne, doch nicht… Öffentlich?! Wie? Für jedermann? Hm…

Hat man wenig Familie in der Nähe und es auch sonst nicht so im Blut eine Traube von Menschen um sich herum bei Laune zu halten, fühlt man sich oft einsam. Nicht einsam, weil die Menschen um einen herum fehlen. Eher, weil man den ganzen Tag fühlt, riecht, hört, sieht, schmeckt, liebt, hasst, weint und lacht, lebt und sich trotzdem am Abend fragt: Was bleibt, wenn ich gehe? Wer wird sanft lächelnd mit Tränen in den Augen vor einem Menschen sitzen, an mich denken und sagen “ An sie, an sie werde ich mich ewig erinnern.“?
Erinnerungen sind die einzigen Geschenke die für immer bleiben. Erlebnisse prägen uns mehr, als wir uns jemals zu denken trauen… Erlebnisse lassen uns herausfinden wie wir sind, was wir vertretbar finden, wo wir hinter stehen können- und wo nicht. Erlebnisse lehren uns Licht und Schatten. Sie geben uns Hoffnung und lassen uns Liebe spüren. Liebe. Was brauchen wir mehr als Liebe?

„Ist man aber verheiratet, dann hat man jemanden, der alles mit einem teilt. Die guten Dinge, die schlimmen Dinge und die furchtbaren Dinge, die normalen Alltags-Dinge, also einfach alles, immer, jeden Tag. Ich verspreche Dir, Dein Leben verläuft nicht, ohne gesehen zu werden, weil ich Dir zuschaue. Und Du lebst nicht unbemerkt, weil ich Zeuge Deines Lebens bin.“ thx Vincent Coccotti „Darf ich bitten?“

Vergessen zu werden, unsichtbar, kein Teil der Welt, das scheint unsere größte Angst zu sein.

Warum sonst müssen wir schöne, einzigartige Momente sofort mit unseren „Freunden“ auf facebook, Instagram, oder einem Blog teilen. Sie per Kamera festhalten, als ob wir unserem Gedächtnis nicht trauen. Als ob wir verlernt hätten, durch Worte, Emotionen und Gesten einem Mitmenschen das Erlebte nahe zu bringen. Phantasie, Mut zum eigenen Vorstellen der Situation. Als ob wir durch ein aufgesetztes Lächeln und teure Klamotten eine bessere Erinnerung schaffen könnten- für Andere. Für uns selbst bleibt eine Menge Anstrengung und eigentlich erinnern wir uns nur noch an:“Ach, damals in Spanien… Mein 800€ Handy fiel beim Selfie machen in den Sand, mir wurde schwindelig da ich den Bauch eingezogen und den Kopf überstreckt habe…“ bloß um kleine Sünden bei der Ernährung und mangelnde Disziplin beim Sport zu verheimlichen…

Warum war es als Kind ein Highlight bei den Großeltern auf der Rückbank zu sitzen, Kennzeichen aufzuschreiben um herauszufinden, welches am meisten vertreten ist? Ein hart gekochtes Ei auf einem windigen, lauten Parkplatz mit widerlichen Edelstahl-Toiletten ist der Inhalt eines abendlichen Telefonates mit der Mutter daheim- und nebenbei auch noch das aufregendste Erlebnis des ganzes Urlaubes… Warum haben wir also aufgehört zu erleben, wenn doch unsere größte Angst ist keine Erlebnisse mehr zu haben? Stillzustehen. Nicht mehr das Leben zu spüren. Zu leben.

20.10.2016 (noch 33 Tage)

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